Kunst:

Die Tatsache, dass man sich angesichts eines Bildes die Frage stellen mag, was es denn darstellt, ist trotz, oder eben aufgrund der Kultur- und Bildungsunterschiede nach wie vor legitim. Bilder hinterlassen bei dem Betrachter oft genug den Eindruck, nicht(s) verstanden zu haben. Diese Verständnislosigkeit vor einem Gemälde wird oft genug durch die vergebliche Suche nach einem schlüssigen Kontext, der einen Sinn ergeben soll, ausgelöst. Die wenigen wiedererkennbaren Details eines Kunstwerks sind schon mit vorgefassten Bedeutungen belegt, so dass sie kaum neue Erkenntnisse zulassen. Das mag einer der Gründe sein, warum der Künstler Zellot seinen Werken Titel gibt. Dadurch bietet er den Menschen, die danach so dürsten, den Köder einer Bedeutung dar und scheint klar und deutlich zu sagen, was das Bild darstellt. Damit wird die Analogie der prozessualen Malerei durch die Analogie des Titels entweder geteilt oder verdoppelt. Sieht man also ein betiteltes Werk von Zellot, wird man unvermeidlicher weise zu dem Reflex ansetzen: man sucht die Analogie. Und hier beginnt die Kunst Zellots zu greifen. Die vielen Fragen, die das Suchen mit sich bringt, bleiben unbeantwortet. Stattdessen findet man das Kunstwerk selber, als zwiespältiges Ereignis und Rätsel. Bei den Werken Zellots handelt es sich nicht um Abbildungen, und doch kann man widerspruchslos erahnen, was sie repräsentieren. Wenn auch die Titel zunächst einen Zugang zur Sinnfindung verwehren, so wird doch angesichts der Werke quasi der Blick geschult und beginnt sich in das Wahrgenommene hineinzuarbeiten und es mit neuen Bedeutungen auszustatten. Wenn der Gesamteindruck auch manchmal dazu verleiten mag, so kann man die Bilder Zellots doch nicht nur auf eine Summierung lokalisierbarer Details reduzieren.

(Institut für Kunst und Philosophie – Kärnten)